Hundegeburt – die Erstversorgung der Welpen


Es ist immer wieder ein atemberaubendes Ereignis – die Hundegeburt.
Doch wie sieht die Erstversorgung beim Welpen aus? Was ist zu tun, was macht die Hündin normalerweise? Diesen Fragen wollen wir uns im heutigen Artikel widmen.

Der erste Welpe ist da – was ist nun zu tun?

Bei einer instinktsicheren Hündin brauchen wir erstmal nur Zuschauen.  Sie wird den Welpen aus der Fruchtblase befreien (wenn diese nicht schon im Geburtskanal geplatzt ist) und ihn abnabeln. Sie wird ihn von oben bis unten abschlecken, das sieht nicht immer sehr sanft aus, so daß der kleine Welpe auch mal ein wenig durch die Gegend kugelt. Das macht aber nichts, so werden alle Lebensgeister in ihm geweckt.
Nun sollte auch der erste Piepser, oft auch ein richtiger Schrei des Welpen ertönen, welches wir Züchter im wahrsten Sinne des Wortes herbeisehnen, denn es zeigt, der Kleine hat die Geburt gut überstanden.

Wie sieht die Erstversorgung beim Welpen aus?

Nachdem die Mutterhündin den Welpen intensiv geleckt hat, nehmen wir den Kleinen und schauen als erstes, ob er richtig atmet oder ob die Atemwege noch Fruchtwasser enthalten. Sollte letzteres der Fall sein (man hört es beim Atmen, wenn er röchelt und meist bilden sich an den Nasenlöchlein kleine Bläschen) nehmen wir den Welpen und…ja, hier scheiden sich die Geister beziehungsweise gibt es mehrere Möglichkeiten.

  1. Man nimmt den Welpen und schüttelt ihn nach unten. Dabei ist ganz wichtig, den Welpen in der Hand so stabilisiert zu halten, daß durch die Bewegung wirklich nur überschüssiges Fruchtwasser austritt und nicht der ganze Welpe durchgeschüttelt wird.
  2. Man saugt mit einer Spritze (natürlich ohne Nadel) vorsichtig das Fruchtwasser aus der Nase ab. Diese Variante ziehen wir vor, wenden sie allerdings nur an, wenn es nicht anderes geht. In vielen Fällen reicht es auch, mit einem weichen Tuch das Näslein ein paar Mal freizuwischen.
  3. Mit dem eigenen Mund das Fruchtwasser aus der Nase des Welpen heraussaugen.
    Diese Maßnahme würde ich nur in Erwägung ziehen, wenn der Welpe kein Lebenszeichen von sich gibt.

Alle unsere Welpen bekommen gleich am Anfang einen Tropfen Rescue auf die Zunge.
Die Bach Original Rescue Pets Tropfen können in einer Schocksituation gegeben werden, aber auch in allen anderen Situationen, die mit Stress einhergehen. Und egal wie fit der Welpe direkt nach der Geburt ist, Stress haben die Kleinen während der Geburt alle durchgemacht. Die Tropfen für Haustiere sind ohne Zusatz von Alkohol und somit absolut unschädlich für die Welpen und haben auch sonst keinerlei Nebenwirkungen.

Nun wiegen wir den Welpen, notieren das Geburtsgewicht sowie die Geburtszeit und falls vorhanden, weitere Merkmale des Welpen. Er bekommt ein farbiges Bändchen um, sodaß wir ihn später nicht mit Wurfgeschwistern verwechseln können.
Nun legen wir ihn so schnell wie möglich wieder zu seiner Mutter und er wird sich sofort auf die Suche nach einer Zitze begeben.

Was tun, wenn der Welpe nicht anfängt zu atmen?

Wir rubbeln den Kleinen kräftig mit einem Handtuch ab und hoffen, daß diese Massage reicht, um die  Lebensgeister in ihm zu wecken.
Wenn nicht, eine der obigen Maßnahmen ergreifen, um das Fruchtwasser aus den Atemwegen zu befördern.
Nun können wir den Welpen vorsichtig Mund-zu-Mund beatmen. Dazu blasen wir dem Welpen leicht unseren Atem ein, aber wirklich nur leicht. Dann leichten Druck auf den Brustkorb ausüben, ähnlich wie bei den Wiederbelebungsversuchen beim Menschen.
Hilft das alles nicht, kann man den Welpen ganz kurz (!) unter kaltes Wasser halten, dann sofort wieder abrubbeln, Fruchtwasser raus und wieder Mund-zu-Mund Beatmung.

Die Hündin übernimmt die Erstversorgung nicht

Manche Hündinnen, oftmals Erstgebärende müssen erst in ihre Rolle als Mama hineinwachsen. So kommt der erste Welpe auf die Welt, aber die Hündin macht keine Anstalten ihn aus der Fruchthülle zu befreien oder abzunabeln.
Hier müssen wir helfen.
Wir nehmen den Kleinen sofort und öffnen die Fruchtblase, denn der Welpe ist nicht mehr mit dem mütterlichen Kreislauf verbunden und würde in der Fruchtblase ersticken.  Dies machen wir am Besten, indem wir die Fruchtblase unterhalb des Kinns aufreißen, und die Fruchthülle zügig über den Kopf streifen. So kann das Fruchtwasser schnell ablaufen. Als nächstes müssen wir den Welpen abnabeln. Dazu binden wir den Nabel etwa  nach 1 cm mit einem sterilen Faden fest ab. Hinter dem Abgebundenen reißen wir die Nabelschnur nun durch (nur, wenn die Nabelschnur zu dick ist und wir sie nicht durchquetschen können, greifen wir zu einer sterilen Schere), halten dabei das untere Stück aber fest, sodaß wirklich nur Druck auf die Stelle ausgeübt wird, wo wir die Nabelschnur auseinanderquetschen.
In den meisten Fällen hat der Welpe bereits den ersten Schrei von sich gegeben und durch den Schrei werden die Mutterinstinkte bei der Hündin ausgelöst und sie übernimmt nun ab sofort ihre Aufgabe. Dann lassen wir sie natürlich! Falls nicht, rubbeln wir den Kleinen trocken.
Manche Hündinnen sind sehr eifrig und kaum zu bremsen, wenn sie die Nabelschnur durchtrennen. Dann ist Vorsicht geboten und wir sollten die Nabelschnur am Ende festhalten, denn sonst kann es zu Verletzungen am Nabel kommen.

Abschließend kann man sagen, daß eine Hundegeburt im Normallfall ein ganz natürliches Ereignis ist, wo wir Menschen meist gar nicht eingreifen brauchen.
Aber es kann vorkommen, daß ein Welpe zu lange im Geburtskanal gelegen hat und zu Beginn zu schwach ist, da können wir nachhelfen, wie oben beschrieben, um ihn zum Leben zu erwecken.
Oder wenn eine Erstlingshündin einfach noch nicht weiß, was zu tun ist oder unsicher ist.
Wir hatten mal eine Hündin, die bei jedem ihrer Würfe erst beim Schrei des ersten Welpen in ihre Mutterrolle geschlüpft ist. Das hieß für uns, die Erstversorgung beim Erstgeborenen mussten wir übernehmen.
Ab da war die Hündin dann aber jedesmal absolut in Ihrer Mamarolle und war sich all ihren Aufgaben bewusst.


Dieser Beitrag wurde am 20. April 2011, 10:12 unter AKTUELL, WELPEN, Welpen verfasst. Sie können alle Antworten auf diesen Beitrag nachverfolgen mit RSS 2.0. Sie können eine Antwort, oder einen Trackback von Ihrer eigenen Seite hinterlassen.

  1. #1 von gloria am 18. Mai 2012 - 20:46

    Ja das kenne ich auch.Meine Hündin bemerkte beim ersten Welpen erst garnicht,das da überhaupt einer war.Sie drehte sich, beim quitschen, ganz schnell rum, übernahm dann aber ihre Arbeit.Und sie machte alles wie ein Profi.War ihr erster Wurf.

  2. #2 von Labradoodlezücht am 23. Mai 2012 - 23:12

    Dank für diesen interessanten Artikel, leider sterben immer noch zu viel Welpen die ersten Tagen, diesen Artikel hilft vielleicht.

  3. #3 von Josi am 7. Juli 2012 - 17:07

    ein sehr guter Bericht. Leider war unsere erste Hundegeburt nicht so einfach. 4 von 8 Welpen sind innerhalb der ersten Woche verstorben, die Mutter hatte nicht genug Milch und der Tierarzt war keine große Hilfe. – Trotz vieler Tränen in der Zeit würde ich es nochmal versuchen….

  4. #4 von anne am 22. Oktober 2013 - 08:43

    Habe gerade den Beitrag gelesen. find es gut, wie mit einfachen Worten meine Fragen beantwortet wurden. Habe ein Yorkshire Weibchen und sie wird Anfang November Junge bekommen. Deshalb sind diese Tipps sehr interessant für mich. Aber warum sterben die Welpen in der ersten Woche? Und was kann man dagegen tun?

  5. #5 von Kathrin am 18. Dezember 2013 - 15:37

    Der Beitrag war sehr interessant und ich gehe nun mit viel Informationen an die Geburt meiner Hündin heran. Wir erwarten in den nächsten Tagen unsere ersten Hundewelpen (Beagle). Meine Hündin weicht mir seit einer Woche nicht mehr von der Seite. Es ist für sie und uns die erste Geburt !!! Ich habe nun alles bereit gelegt. Wie oft müsste ich die Welpen mit Milch zufüttern, wenn die Mama nicht genug Milch hat ? Das ist noch die einzige, bei mir, offene Frage.

  6. #6 von Ilona am 13. März 2014 - 20:31

    Wir planen nun für diesen Herbst unseren 1.Wurf mit unserer Hündin.
    Durch Zufall bin ich auf diese Seite gestossen und habe sie mir nach einigem Stöbern direkt zu meinen Favoriten gepackt.
    Ich bin begeistert und diese Seite mit ihren Tips hat mir schon sehr geholfen.
    So sehe ich ganz beruhigt unserem 1.Wurf entgegen.
    An dieser Stelle mal ein ganz großes Danke an die Verfasserin!

    Liebe Grüße alle zusammen
    Ilona!

(wird nicht veröffentlicht)