Artikelserie: 1.3 Deckrüdenwahl – der richtige Deckrüde für meine Hündin


Nachdem wir uns im letzten Artikel ein Wurfziel gesetzt haben, so geht es heute um die Wahl des richtigen Deckrüden und wie ich meinem gesetzten Wurfziel am Nächsten kommen kann.
Auf was muss ich achten und wo beginne ich mit der Suche?
Wie finde ich den richtigen Deckrüden für meine Hündin?

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Doch wie gehe ich vor bei meiner Deckrüdenwahl?

Zunächst einmal gibt es mehrere Möglichkeiten, überhaupt nach Deckrüden zu suchen.
Ich kann:

  • Hundeausstellungen besuchen

    Wenn man zu den Leuten gehört, die gerne ausstellen, so ist dies natürlich ein idealer Anlaufpunkt, sich nach einem Deckrüden seiner Rasse umzusehen. Man kann die Hunde „live“ erleben, sich anschauen und in Gespräche kommen.
    Geht man eher selten bis nie auf Ausstellungen, so würde ich mit der Suche im Internet beginnen, dann, wenn man einen für sich passenden Deckrüden gefunden hat, kann man ihn sich auf einer Ausstellung zum Beispiel erst noch einmal in live anschauen, sofern er denn ausgestellt wird.

  • schauen, ob meine Vereinsseite eine Deckrüdenliste hat

    Die meisten Vereinsseiten verfügen über eine Deckrüdenliste oder auch Deckrüdenvorstellung.
    Als erste Anlaufstelle sehr gut geeignet.
    Hat man einen Deckrüden gefunden, der den gesuchten Kriterien entspricht, so kann ich versuchen, mehr über ihn zu erfahren.
    Wenn er nicht vielleicht sogar eine eigene Homepage hat, einfach mal nach dem Namen des Deckrüden googeln, man bekommt dann oft sehr hilfreiche Links angezeigt.

  • in der Vereinszeitung nachschauen

    Viele Vereine haben eine eigene Vereinszeitung. Dort werden häufig neue Deckrüden vorgestellt.
    Im Teil des Zuchtgeschehens findet man normalerweise auch die aktuellen Deck- und Wurfmeldungen der anderen Züchter. Hier kann man sich auch einmal umschauen.

  • Vereine anderer Länder nach Deckrüdenlisten durchsuchen

    Natürlich sollte man, da man ja einen möglichst „perfekt“ passenden Deckrüden finden möchte, sich auch einmal in den Nachbarländern umschauen. Hierzu sucht man die Vereinsseite (oftmals werden die Vereine der anderen Länder auf der eigenen Vereinsseite in einer Linkliste verlinkt) des Landes auf und schaut, ob eine Deckrüdenliste vorhanden ist.

  • sich mit Züchterkollegen austauschen

    In Gesprächen mit Züchterkollegen erfährt man auch sehr oft etwas, zum Beispiel ob neue Rüden zur Zucht zugelassen sind, welche Rüden nicht mehr in der Zucht sind ……

Das Internet steht also an Nr. 1 für die erste Recherche für die Deckrüdenwahl.
Hier kann ich zunächst unverbindlich schauen, mich erkundigen, einfach Daten sammeln. Zudem findet man auch in den meisten Fällen Bilder des Deckrüden.
Hierzu kann man übrigens auch sehr gut die Bildersuche von Google benutzen. Einfach den Namen des Deckrüden in die Suchleiste eingeben und dann nicht auf Web oben links, sondern auf Bilder.

Nach was für Kriterien gehe ich nun vor, wenn ich den richtigen Deckrüden finden möchte?

  1. Gesundheitsauswertungen des Deckrüden

    Natürlich muss jeder Züchter für sich selbst wissen, nach was für Kriterien er züchtet und welche Reihenfolge und Prioritäten er dabei setzt.
    Wenn man im Internet sucht, sticht einem im Normalfall ja erstmal das Bild des Deckrüden ins Auge. Gefällt einem das Bild, schaut man weiter, wenn nicht, sucht man anderweitig weiter.
    Entspricht der grobe Typ erstmal dem, was ich suche? Wenn ich zum Beispiel ein für mich gesetztes Kriterium „nicht zu lange Schnauze“ habe, und der Hund auf dem Bild hat eine lange Schnauze, so würde ich den nächsten Rüden suchen.

    Stimmt der erste Eindruck, suche ich sofort nach den Gesundheitsauswertungen des Rüden. Gesundheit steht bei Auswahl einer Verpaarung bei uns immer an erster Stelle.
    Zu den Gesundheitsauswertungen kann man keine allgemeinen Tipps für die Suche geben, denn jede Rasse hat andere rassespezifische Krankheiten und somit gelten andere Kriterien.
    Auch wenn es zum Beispiel bei der HD-Auswertung von den Vereinen ja oft noch Spielraum gibt, daß man zum Beispiel wenn meine Hündin eine A-Hüfte hat, sie noch mit einem C-Hüfte Rüden verpaaren kann, muss jeder Züchter für sich selbst wissen, was für ihn der richtige Weg ist. Denn nur, weil es vom Verein aus noch erlaubt ist, muss ich es für meine Zucht ja nicht „benutzen“, sondern kann mir meine Kriterien auch noch strenger setzen. Zum Beispiel verpaaren wir maximal mit einer B-Hüfte…und das auch nur, wenn der andere Partner dann eine A-Hüfte vorweisen kann.

  2. Ahnentafel des Deckrüden

    Wir gehen nun einmal davon aus, das die Gesundheitsauswertungen unseren Kriterien entsprechen. Was mache ich dann als nächstes?
    Ich schaue mir die Ahnentafel des Deckrüden an.
    Auf welche Punkte sollte man hier achten?

    • Die Ahnen des Deckrüden mit der Ahnentafel meiner Hündin vergleichen

      Kommen gleiche Hunde vor? Wenn ja, wo? Ganz hinten in der Ahnentafel oder bereits weiter vorne?
      Wenn zum Beispiel der Vater meiner Hündin, der Bruder zur Mutter des Deckrüden ist, wäre dies eine sehr enge Verpaarung. Je enger man züchtet, desto eher kann man zwar einen gewissen Typ / Linie festigen, allerdings festigen sich auch Fehler/Krankheiten aus der Linie umso mehr. Hat meine Hündin zum Beispiel eine relativ kurze Rute und man geht mit der Deckrüdenwahl in die gleiche Linie, so ist die Gefahr sehr groß, daß dieser Fehler (kurze Rute) gefestigt wird. Dazu muss der Deckrüde selbst keine kurze Rute aufweisen, aber er hat es ziemlich sicher in den Genen, da es in dieser Linie ja vorkommt. So kann es auch mit anderen Fehlern / Merkmalen – natürlich auch den positiven, passieren.

    • Gesundheitsauswertungen der älteren Generationen des Deckrüden

      Man sollte auch einen Blick auf die Gesundheitsauswertungen der Ahnen des Deckrüden werfen.
      Hat der Deckrüde TOP-Auswertungen, die Mutter aber zum Beispiel schlechte und die Mutter davon auch, so sollte man zumindest etwas intensiver forschen, ob vielleicht schon einmal schlechte Auswertungen  in anderen Würfen aufgetreten sind. Tauchen Namen auf, wo ich schon schlechte Sachen gehört habe, oder besonders Gute?

  3. Bilder des Deckrüden

    Wenn ich den Deckrüden noch nicht in live gesehen habe, möchte ich mir natürlich trotzdem ein Bild von ihm machen können.
    Je mehr Bilder ich finde, desto besser.
    Google-Bildersuche, Züchterseiten, die diesen Deckrüden eingesetzt haben etc.

  4. Richterberichte des Deckrüden

    Bei manchen Vereinen kann man auch Richterberichte von Ausstellungen einsehen – manche Deckrüdenbesitzer veröffentlichen auch welche auf ihrer Internetseite.
    Hier kann man sich oft ein gutes Bild machen, was für Vorzüge, aber auch Nachteile der Rüde hat. Passt es zu meiner Hündin?

  5. Geschwister des Deckrüden

    Sucht auch nach Gechwistern des Deckrüden.  Wie sehen hier die Gesundheitsauswertungen aus? Sind sie in der Anatomie ähnlich oder ganz unterschiedlich? Haben diese vielleicht Fehler, die der Deckrüde nicht hat?
    Viele Merkmale werden trotzdem weiterverebt, auch wenn der Hund den Fehler selbst nicht hat – das Gen dafür kann er trotzdem besitzen.

  6. Recherche nach Würfen des Deckrüden

    War der Deckrüde schon im Einsatz? Wenn ja, sucht nach Würfen von ihm. Sind dort Fehler aufgetreten? Wie sieht der Nachwuchs aus? Hat er sich stark vererbt und und und….
    Viele Vereine geben jährlich ein Zuchtbuch heraus, dort stehen im Normalfall auch alle gefallenen Würfe drin und ob und welche Fehler bei der Wurfabnahme aufgetreten sind.

  7. Besitzer kontaktieren

    Als nächstes kontaktiere ich den Deckrüdenbesitzer und versuche natürlich soviel wie möglich von dem Deckrüden zu erfahren. Wurfziele, die ich mir gesetzt habe, frage ich nochmal gezielt ab.

  8. Deckkonditionen

    Passt bis hierher alles, erkundige ich mich nach den Deckkonditionen.
    Hier gibt es unterschiedliche Varianten und auch Preise.
    Bei uns (Neufundländer) wird bei deutschen Rüden in der Regel eine Deckgebühr (zu bezahlen beim ersten Decken) erhoben und dann eine Gebühr für jeden Welpen (zu bezahlen meist zur Wurfabnahme).
    Manche Deckrüdenbesitzer haben eine höhere Deckgebühr, dafür aber den ersten und /oder zweiten Welpen bereits inbegriffen und man zahlt dann erst ab dem 3ten Welpen.
    Im Ausland wird auch häufig eine komplette Deckgebühr (für Alles) genommen.
    Die ist natürlich viel höher. Hat man dann einen verhältnismäßig kleinen Wurf, hat man relativ viel bezahlt, bei einem großen Wurf ist es dann natürlich auch günstig.
    Die Deckgebühr beinhaltet eigentlich immer noch ein Nachdecken in der nächsten Läufigkeit, sollte die Hündin nicht trächtig werden.

  9. Antrag beim Verein stellen

    Die ausgewählte Verpaarung muss nun noch beim Verein angemeldet und genehmigt werden.
    Die Formulare gibt es meistens auf der Internetseite zum Download oder direkt bei der Zuchtbuchstelle.

Nun heißt es auf die Läufigkeit warten 🙂
Wenn ich natürlich noch die Möglichkeit habe, mir den Deckrüden in Natura anzuschauen, sollte ich dies auf jeden Fall wahrnehmen.

Ein paar abschließende Worte noch zum Einsatz von Deckrüden im Ausland:
Wenn ich einen Deckrüden aus Deutschland für meine Zucht einsetzen möchte,  muss er die gleichen Gesundheitszeugnisse vorweisen, wie meine Hündin.
Etwas anders ist das ganze gelagert, wenn ich ins Ausland zu einem Deckrüden fahre.
Dann muss er nur die Gesundheitszeugnisse vorlegen, die in seinem Land gelten, allerdings mit Ergebnissen, die bei uns für die Zucht erlaubt sind.
Wenn bei uns zum Beispiel die Untersuchung auf  HD und ED Pflicht ist, im anderen Land aber nur die HD Pflicht ist, dürfte man ihn trotzdem zur Zucht einsetzen.

Aus meiner Erfahrung heraus muss ich aber leider sagen, daß es in den meisten Fällen einen bitteren Beigeschmack hat, wenn der Rüde nicht alle für seine Rasse spezifischen Untersuchungsergebnisse vorweisen kann.
Denn eigentlich sollte jeder Deckrüdenbesitzer auch von Anfragen aus dem Ausland interessiert sein und warum dann nicht zum Beispiel auch zusätzlich aud ED untersuchen lassen, auch wenn in seinem Land vielleicht keine Pflicht ist?

Bei uns (Neufundländer)  ist es leider häufig so, daß nach etwas Recherche, wenn zum Beispiel die ED-Ergebnisse fehlen, rauskommt, daß der Hund geröntgt war, aber halt nicht gesund bzw. es nicht für die Zuchtbestimmungen gereicht hätte.
Auch, wenn man diesen Hund zwar einsetzen dürfte, ist die Frage, ob man soetwas aber tun sollte!?
Für uns kommt ein Deckrüdeneinsatz im Ausland nur mit allen erforderlichen Untersuchungsergebnissen in Frage.


Dieser Beitrag wurde am 17. März 2011, 15:13 unter AKTUELL, Artikelserie: Schritt für Schritt durch die Läufigkeit, DECKAKT, Deckrüde verfasst. Sie können alle Antworten auf diesen Beitrag nachverfolgen mit RSS 2.0. Sie können eine Antwort, oder einen Trackback von Ihrer eigenen Seite hinterlassen.

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