Das Leerbleiben der Hündin oder Die Hündin wird nicht trächtig


Da wir  in meiner aktuellen Artikelserie „Schritt für Schritt durch die Läufigkeit / Hitze der Hündin“ das Thema Läufigkeit ja gerade ausführlich behandeln, passt „Das Leerbleiben der Hündin“ sehr gut dazu und ich möchte darüber einen extra Artikel schreiben, denn manche Ursachen lassen sich erst zu Beginn der nächsten Läufigkeit untersuchen.

Es ist sicher vielen Züchtern bekannt. Und es kann so frustrierend sein, man denkt, man hat alles richtig gemacht, es hat alles gepasst und die Hündin ist leergeblieben. Vom Zeitpunkt des Deckakts beschäftigt den Züchter nichts mehr als die Frage – „Hat es geklappt oder nicht? Hat meine Hündin DEN alles sagenden Blick?“ Wir deuteln über die ersten Anzeichen – Einbildung oder Realität?
Wenn man die enttäuschende Feststellung machen muss,daß die Hündin leer geblieben ist, kommen viele Ursachen in Frage, mit denen wir uns heute eingehend befassen wollen.

Ich weiß, daß es in vielen Rassen gehäuft (der Neufundländer gehört auch dazu) vorkommt, andere Rassen haben damit überhaupt kein Problem.

Doch woran kann es liegen? Was kann man tun?

Mögliche Ursachen für das Leerbleiben bei der Hündin

  • Falscher Deckzeitpunkt
  • Stress (Auf der Fahrt zu wenig Platz, zu wenig Zeit, Temperatur)
  • Unfruchbarkeit des Rüden
  • Unfruchtbarkeit der Hündin
  • Anatomische Veränderungen (Scheidenspange, Enge im Scheidenbereich..)
  • Alter
  • Infektionen
  • Medikamente
  • Hormonelle Ursachen
  • Gewicht
  • abnormaler Zyklus (verlängert / verkürzt / unregelmäßig)

Der falsche Deckzeitpunkt ist nach wie vor die häufigste Ursache und liegt bei einer Wahrscheinlichkeit bis zu 80%.
Ich möchte aber nun auf die oben genannten Punkte im Einzelnen eingehen:

Falscher Deckzeitpunkt

Oft ist eine ungenaue Decktagbestimmung Auslöser für das Leerbleiben.
Doch wie sieht eine optimale Bestimmung aus?

  1. Zu Beginn der Läufigkeit die Hündin in der Tierarztpraxis vorstellen – Vaginale Zytologie, um festzustellen, ob Entzündungen vorliegen
  2. Je nach Läufigekeitslänge der Hündin erste Blutabnahme zur Progesteronbestimmung etwa am 7 Tag der Läufigkeit
  3. Test alle 2 Tage wiederholen, bis ein Wert zwischen 4 und 10 ng/ml vorliegt
  4. Man kann Vaginalabstriche zur Ermittlung mit heranziehen – wir machen dies nicht und nehmen regelmäßig Blut ab zur Progesteronbestimmung

In diesem Zusammenhang möchte ich noch darauf hinweisen, daß die Progesteronbestimmung mittels Blutabnahme ein verläßliches Ergebnis zulässt, während die Progesteronbestimmung mittels Teststreifen ungenauer ist und als alleinige Methode nicht sehr aussagekräftig ist.
Diese beiden Methoden sind nicht vergleichbar.

Stress

Stress bei der Hündin kann die Läufigkeit frühzeitig beenden, abbrechen und negative Auswirkungen haben.
Fährt man zum Beispiel mitten im Sommer bei 30 Grad mit seiner Hündin eine weite Reise ins Ausland und sie bleibt leer, so kann man diesen Grund sicher mit in Erwägung ziehen.

Unfruchtbarkeit des Rüden

Dieser Punkt kommt nur bei noch nie eingesetzten Rüden oder älteren Rüden in Frage.
Mittels eines Spermiogramms kann man die Fruchtbarkeit feststellen und auch die Qualität.
Es gibt Rüden, die sind fruchtbar, weisen aber so gut wie keinen oder sehr wenig Nachwuchs auf, weil die Spermaqualität nicht gut ist.
Nicht gut heißt, daß die Spermien zum Beispiel eine geringe Überlebensfähigkeit haben.

Unfruchtbarkeit der Hündin

In der Medizin ist eine Hündin unfruchtbar (infertil), wenn sie zweimal hintereinander leergeblieben ist.
Bleibt die Hündin ab und zu leer oder hat nur kleine Würfe, so spricht man Subfertilität.

Anatomische Veränderungen

Eine Scheidenspange bei der Hündin kann dazu führen, daß Sie sich nicht decken lässt. (Es gibt auch Scheidenspangen, die zwar einen normalen Deckakt ermöglichen,  aber die Welpen bei der Geburt nicht „weiterlassen“ und somit nicht ausgetragen werden können)

Viele Junghündinnen sind im Genitalbereich noch sehr „eng“, oft gibt sich das aber im Laufe der Läufigkeit durch die Einwirkung der Östrogene.

Alter

Die Fruchtbarkeit bei der Hündin ist etwa zwischen dem 2. Lebensjahr bis zum 8. Lebensjahr gleichbleibend.
Danach nimmt die Fruchtbarkeit ab und spätestens dann sollte man der Hündin keinen Wurf mehr zumuten.
Hat man schon vorher das Gefühl, daß die Hündin alt ist, nicht in guter Verfassung ist,  natürlich auch schon vorher nicht.
Die verschiedenen Rassevereine haben ihre Vorschriften bezüglich des Alters, bis zu welchem Alter eine Hündin belegt werden darf.
Allerdings sollte man es immer von Hündin zu Hündin individuell entscheiden, ob ich ihr noch einen Wurf zumute oder nicht, obwohl ich es noch „dürfte“.

Infektionen

Bestimmte Infektion können für das Leerbleiben der Hündin verantwortlich sein.
So zum Beispiel das Herpesvirus oder verschiedene Bakterien.
Es empfiehlt sich zu Beginn der Läufigkeit eine vaginoskopische Untersuchung durchzuführen, um eventuelle entzündliche Zellen festzustellen.
Ist eine Hündin schon einmal ohne ersichtlichen Grund leergeblieben, so kann man auch auf das Herpesvirus testen lassen.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die Zahngesundheit der Hunde, denn durch häufiges Belecken in der Läufigkeit können Bakterien vom Maul in die Scheidenregion übertragen werden.

Medikamente

Medikamente jeglicher Art sollten natürlich vermieden werden, manchmal lässt es sich aber nicht umgehen.
Wurmmittel sollten vor der Läufigkeit verabreicht werden. Unbedingt zu Beginn der Läufigkeit einen vaginalen Abstrich machen lassen, denn werden entzündliche Zellen festgestellt und es muss Antibiotika gegeben werden, so hat man zu Beginn der Läufigkeit noch genügend Zeit.
Auch Kortisongaben können sich negativ auswirken.

Hormonelle Ursachen

Es gibt Hündinnen, bei denen der Progesterongehalt vorzeitig abfällt. Normalerweise bleibt er nach der Belegung konstant erhöht und fällt erst zum Ende der Trächtigkeit und leitet die Geburt ein. Fällt der Progesterongehalt vorzeitig, so  kann die Trächtigkeit nicht aufrecht erhalten werden.
Eierstockzysten, Schilddrüsenunterfunktion können auch für ein Leerbleiben verantwortlich sein.

Gewicht

Fortpflanzung und Fettleibigkeit verträgt sich nicht gut.
Man sollte immer das Idealgewicht anstreben, wenn man vorhat, seine Hündin zu belegen. Und zwar schon weit vor der Läufigkeit.
Diäten in der Trächtigkeit sind natürlich tabu.

Abnormaler Zyklus

Ein abnormaler Zyklus kann eine Ursache sein, muss es aber nicht unbedingt.
Ich kenne einige Hündinnen, die regelmäßig verkürzt läufig werden (alle 4 Monate) und keinerlei Probleme haben. Genauso kenne ich Hündinnen, die nur 1x im Jahr läufig werden und auch alles problemlos klappt.


Dieser Beitrag wurde am 17. Februar 2011, 12:39 unter AKTUELL, LÄUFIGKEIT, Leerbleiben verfasst. Sie können alle Antworten auf diesen Beitrag nachverfolgen mit RSS 2.0. Sie können eine Antwort, oder einen Trackback von Ihrer eigenen Seite hinterlassen.

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